Geschichte
Die Kraftwerksgruppe Zemm-Ziller - Die "Zemmkraftwerke"
Bereits 1924 wurde vom Tiroler Bauunternehmen Innerebner & Mayer ein Projekt ausgearbeitet, das im hinteren Zillertal, oberhalb von Mayrhofen, die Nutzung von drei Quellbächen des Zillers, des Tux-, Zemm- und Stilluppbaches, zur Erzeugung von elektrischer Energie vorsah. Ein Teil dieses Planes wurde 1930 mit der Inbetriebnahme des Kraftwerkes Bösdornau durch die Zillertaler Kraftwerke Aktiengesellschaft verwirklicht. Im Jahre 1934 erwarb die Tiroler Wasserkraftwerke Aktiengesellschaft (TIWAG) dieses Kraftwerk und baute seine Leistung durch die Beileitung des Stilluppbaches aus.
Während dieses Kraftwerksausbaues wurde bereits die Notwendigkeit erkannt, Speicherkraftwerke als Ergänzung zu den bestehenden Laufkraftwerken zu errichten, und von Innerebner & Mayer ein dementsprechendes Projekt ausgearbeitet: Im geologisch günstige Schlegeisgrund sollte ein Jahresspeicher entstehen und eine zweistufige Kraftwerksgruppe, beim Breitlahner und oberhalb von Ginzling, sollte errichtet werden.
In den Folgejahren beschäftigten sich die Wasserwirtschaftsstelle München, die Alpen-Elektrowerke AG und die TIWAG mit diesem Projekt. Die Planung nahm konkrete Gestalt an, nachdem das Gebiet der Zillertaler Alpen durch das 2. Verstaatlichungsgesetz der Tauernkraft zur energiewirtschaftlichen Nutzung übertragen worden war.
Bau des Speichers Schlegeis
Das Projekt "Zemmkraftwerke" der Tauernkraft bezweckte die optimale Nutzung des reichen Dargebotes der Zillertaler Wasserkräfte durch die Errichtung des Speichers Schlegeis samt Wasserüberleitungen aus dem Zemmgrund und dem Tuxertal, des Kraftwerkes Roßhag als Pumpspeicherkraftwerk, des Speichers Stillupp sowie des Kraftwerkes Mayrhofen. Diesem Projekt vorausgegangen waren fast zehn Jahre lang geologische Sondierungen und Studien. Im Jahre 1965 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Maßgeblich mitentscheidend dafür war ein Vertrag über die Lieferung von Spitzenstrom aus den Zemmkraftwerken nach Deutschland, der zwischen der Verbundgesellschaft/Tauernkraft und der Energie-Versorgung Schwaben AG (EVS) geschlossen worden war.
Verkehrserschließung - Bau der Schlegeis Alpenstraße
Zur Aufschließung der Baustellen waren vorerst umfangreiche Straßenbauten erforderlich: Mayrhofen erhielt eine Umfahrung und die Zufahrt ins Stillupptal wurde verbessert. Bis zum Schlegeisgrund mussten 24 km Straße mit zahlreichen Tunnels, Brücken und Lawinengalerien durch teilweise schwierigstes Gelände errichtet werden, die auch im Winter eine sichere Verbindung zwischen Mayrhofen und Ginzling gewährleisten.
Fast ein ganzes Jahr von den insgesamt sechseinhalb Baujahren wurde auf die Verkehrserschließung verwendet. Im Juli 1965 erfolgte der Anschlag des 2,6 Kilometer langen Harpfnerwandtunnels, durch den die gefährliche, für Schwertransporte ungeeignete, enge Dornauberg-Schlucht umfahren werden kann. Im Oktober 1966 wurde der Schlegeisgrund erreicht.
Nach Einrichten der Baustelle konnte im Herbst 1967 mit dem Sperrenaushub und ein Jahr später mit dem Probebetonieren begonnen werden. Mit den Arbeiten am Krafthaus Mayrhofen und an den übrigen Anlagen der Hauptstufe wurde 1966 begonnen, die ersten Maschinensätze nahmen den Betrieb 1969 auf. Dem Kraftwerk Mayrhofen vorgelagert ist der Speicher Stillupp. Dieser ist gleichzeitig das Unterwasserbecken für die beiden Oberstufenkraftwerke.
In die 131 m hohe Schlegeissperre des gleichnamigen Speichers des Kraftwerkes Roßhag wurden fast eine Million m³ Beton eingebracht. Dazu mussten 200.000 Tonnen Zement mit der Zillertalbahn bis Mayrhofen und von dort mit Lastfahrzeugen auf der neugebauten Straße angeliefert werden. Der "letzte Kübel" Beton wurde im August 1971 eingebracht. Im September 1971 galten die Zemmkraftwerke als fertiggestellt. Es mussten fast 50 Millionen m³ Fels für Wasser- und Zugangsstollen, Tunnels und dergleichen durchörtert werden.
Der geplante Festakt zur offiziellen Inbetriebnahme der Zemmkraftwerke durch den damaligen Bundespräsidenten Franz Jonas musste kurzfristig abgesagt werden, da eine Demonstration der Aktionsgemeinschaft "Rettet den Zillergrund" die Feierlichkeiten zu stören drohte. Mit der Aktionsgemeinschaft, die sich ursprünglich gegen das Zillerkraftwerk gewandt hatte, konnte in langen, zähen Verhandlungen das Einvernehmen zur Verwirklichung auch dieser zweiten Etappe der Kraftwerksgruppe Zemm-Ziller erreicht werden. Für die architektonische Gestaltung und behutsame Anpassung der Anlagen der Zemmkraftwerke in die Landschaft des Zillertales wurden der Tauernkraft Preise verliehen: 1971 von der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs und 1979 von der Industriellenvereinigung, Landesgruppe Tirol.